von z3001x » Montag, 27. Juli 2026, 22:09:51
Trodat5203 hat geschrieben: ↑Montag, 27. Juli 2026, 18:53:42
Auch wenn es sich manche nicht vorstellen können: es gab auch schon andere Opfer, die die Täter nicht verraten haben, sogar gerade wenn sie einander kannten. Es gab auch schon Opfer, die hatten die Möglichkeit zu fliehen oder in der Öffentlichkeit um Hilfe zu bitten, zu schreien, jemandem in die Arme zu fallen und zu sagen was los ist, doch sie haben es nicht getan. Zu groß die Angst, zu groß die erlernte Hilflosigkeit. Das Frauke keinen Namen nannte, spricht nicht dagegen, dass sie ihn dennoch kannte.
Bei Natascha Kampusch war das so, die war glaub ich Einkaufen (im Hornbach-Baumarkt) mit Přiklopil. Oder auch bei mindestens einem der Opfer des Höxter-Paares. Ich glaub auch in einem amerikanischen Fall, wo das Opfer sogar alleine Joggen durfte, weil man sich sicher war, dass es nicht flieht und zurückkehrt. Die wurde allerdings, wie Kampusch auch, als Kind entführt und dann als Tochter der Familie ausgegeben und "umprogrammiert". Bei Kindern funktioniert das vermutlich einfacher als bei Erwachsenen. Außerdem waren das Fälle wo die Täter entweder nicht vorhatten das Opfer zu töten, oder wo das Töten "nur" im Sinne von Eventualvorsatz hingenommen wurde, aber man keine aktive zielgerichtete Tötungshandlung vornahm (Höxter) und es auch akzeptiert hätte, wenn es überlebt (wie das bei einem vorherigen Opfer der Höxteraner der Fall war). Sodass das Opfer also objektiv und vermutlich auch subjektiv weniger in Lebensgefahr war als Frauke Liebs.
Wenn dass Opfer nicht mehr annehmen kann, dass es durch seine Kooperation wirklich überlebt, dann kann es sein Verhalten ändern, wenn es noch einen Rest Willen besitzt. Und Frauke wusste oder ahnte am Ende dagegen schon, dass sie umgebracht würde.
M.W. braucht es zudem Zeit bis sich dieses Muster der Unterwerfung und des vorauseilenden Gehorsams als Überlebensstrategie voll ausbildet, und vor allem: bis sich der Täter
sicher sein kann, dass das Opfer es zuverlässig befolgt.
Und das ist eben die Frage, woher der Täter in der vergleichsweise kurzen Zeit die Gewissheit bezogen haben sollte, dass Frauke ihn ganz sicher nicht verrät.
Wenn sie seinen Namen gekannt haben würde, hätte ein Wort beim Telefonat gereicht, um ihn zu enttarnen und zu überführen. Selbst wenn sie unmittelbar danach mit dem Leben bezahlt hätte. Im letzten Telefonat schien sie die Hoffnung aufgegeben zu haben, dass sie überlebt und frei kommt. Das war zudem das längste. Mit unterschiedlichen Gesprächspartner die unterschiedlichen Antworten und auch emotionale Situationen in Frauke hätten triggern können.
Wie kann sich der Täter da sicher sein, dass sie keine Kamikaze-Aktion unternimmt und ihn beim Namen nennt? Selbst wenn sie davor kooperierte - in der Hoffnung zu überleben - nachdem diese Hoffnung weg war, könnte sich ihr Verhalten diesbzgl. geändert haben, in einem letzten Akt der Selbstbehauptung. Das war für den Täter ein extrem kritischer Moment. Sofern sie ihn mit Namen kannte. Wenn sie ihn nicht kannte hingegen, hatte sie trotz ihrer Verzweiflung keine Chance ihn zu enttarnen.
Ich könnte mir zwar vorstellen, dass ein Opfer selbst in dieser Situation den Täter nicht verrät, sozusagen in Agonie, oder weil selbst, wenn es keine rationale Hoffnung mehr hat, kann es sich einfach an eine irrationale klammern.
Aber, wie gesagt, dass der Täter sich dessen vorher
sicher ist, das ist schwerer vorstellbar. Da reicht ja auch nicht 80% sicher. Und da dieser Täter letztlich nicht so wirkt, als hätte er echte Risiken eingegangen, die ihn wirklich verraten können - er ist eher spielerische bzw demonstrative Risiken eingegangen, die auf den ersten Blick kühn wirken, aber auf den zweiten nicht wirklich für ihn bedrohlich waren - hab ich Zweifel, ob er das so gemacht hat. MMn spricht trotz der validen Einschränkung zu psychologischem Verhalten von Leuten in Bedrohungssituationen eher dafür, dass sie ihn nicht kannte und er daher "safe" war.
[quote=Trodat5203 post_id=355832 time=1785171222 user_id=9732]
Auch wenn es sich manche nicht vorstellen können: es gab auch schon andere Opfer, die die Täter nicht verraten haben, sogar gerade wenn sie einander kannten. Es gab auch schon Opfer, die hatten die Möglichkeit zu fliehen oder in der Öffentlichkeit um Hilfe zu bitten, zu schreien, jemandem in die Arme zu fallen und zu sagen was los ist, doch sie haben es nicht getan. Zu groß die Angst, zu groß die erlernte Hilflosigkeit. Das Frauke keinen Namen nannte, spricht nicht dagegen, dass sie ihn dennoch kannte.[/quote]
Bei Natascha Kampusch war das so, die war glaub ich Einkaufen (im Hornbach-Baumarkt) mit Přiklopil. Oder auch bei mindestens einem der Opfer des Höxter-Paares. Ich glaub auch in einem amerikanischen Fall, wo das Opfer sogar alleine Joggen durfte, weil man sich sicher war, dass es nicht flieht und zurückkehrt. Die wurde allerdings, wie Kampusch auch, als Kind entführt und dann als Tochter der Familie ausgegeben und "umprogrammiert". Bei Kindern funktioniert das vermutlich einfacher als bei Erwachsenen. Außerdem waren das Fälle wo die Täter entweder nicht vorhatten das Opfer zu töten, oder wo das Töten "nur" im Sinne von Eventualvorsatz hingenommen wurde, aber man keine aktive zielgerichtete Tötungshandlung vornahm (Höxter) und es auch akzeptiert hätte, wenn es überlebt (wie das bei einem vorherigen Opfer der Höxteraner der Fall war). Sodass das Opfer also objektiv und vermutlich auch subjektiv weniger in Lebensgefahr war als Frauke Liebs.
Wenn dass Opfer nicht mehr annehmen kann, dass es durch seine Kooperation wirklich überlebt, dann kann es sein Verhalten ändern, wenn es noch einen Rest Willen besitzt. Und Frauke wusste oder ahnte am Ende dagegen schon, dass sie umgebracht würde.
M.W. braucht es zudem Zeit bis sich dieses Muster der Unterwerfung und des vorauseilenden Gehorsams als Überlebensstrategie voll ausbildet, und vor allem: bis sich der Täter [i]sicher [/i]sein kann, dass das Opfer es zuverlässig befolgt.
Und das ist eben die Frage, woher der Täter in der vergleichsweise kurzen Zeit die Gewissheit bezogen haben sollte, dass Frauke ihn ganz sicher nicht verrät.
Wenn sie seinen Namen gekannt haben würde, hätte ein Wort beim Telefonat gereicht, um ihn zu enttarnen und zu überführen. Selbst wenn sie unmittelbar danach mit dem Leben bezahlt hätte. Im letzten Telefonat schien sie die Hoffnung aufgegeben zu haben, dass sie überlebt und frei kommt. Das war zudem das längste. Mit unterschiedlichen Gesprächspartner die unterschiedlichen Antworten und auch emotionale Situationen in Frauke hätten triggern können.
Wie kann sich der Täter da sicher sein, dass sie keine Kamikaze-Aktion unternimmt und ihn beim Namen nennt? Selbst wenn sie davor kooperierte - in der Hoffnung zu überleben - nachdem diese Hoffnung weg war, könnte sich ihr Verhalten diesbzgl. geändert haben, in einem letzten Akt der Selbstbehauptung. Das war für den Täter ein extrem kritischer Moment. Sofern sie ihn mit Namen kannte. Wenn sie ihn nicht kannte hingegen, hatte sie trotz ihrer Verzweiflung keine Chance ihn zu enttarnen.
Ich könnte mir zwar vorstellen, dass ein Opfer selbst in dieser Situation den Täter nicht verrät, sozusagen in Agonie, oder weil selbst, wenn es keine rationale Hoffnung mehr hat, kann es sich einfach an eine irrationale klammern.
Aber, wie gesagt, dass der Täter sich dessen vorher [i]sicher [/i]ist, das ist schwerer vorstellbar. Da reicht ja auch nicht 80% sicher. Und da dieser Täter letztlich nicht so wirkt, als hätte er echte Risiken eingegangen, die ihn wirklich verraten können - er ist eher spielerische bzw demonstrative Risiken eingegangen, die auf den ersten Blick kühn wirken, aber auf den zweiten nicht wirklich für ihn bedrohlich waren - hab ich Zweifel, ob er das so gemacht hat. MMn spricht trotz der validen Einschränkung zu psychologischem Verhalten von Leuten in Bedrohungssituationen eher dafür, dass sie ihn nicht kannte und er daher "safe" war.