von Gastikus » Sonntag, 06. September 2026, 18:53:25
Prozesstag16 01.07.2026 BILD Ticker komplett Teil 2/2
Prozesstag16 01.07.2026 BILD Ticker komplett Teil 2/2
[spoiler]
01.07.2026 - 15:15 Uhr
Nächster Zeuge nimmt Platz
Nach der Pause wird die Verhandlung fortgesetzt. Als nächster Zeuge wird Jörg M. aufgerufen. Der 70-Jährige aus Groß Breesen arbeitet nach eigenen Angaben als Keramiker und Mathematiklehrer.
01.07.2026 - 15:15 Uhr
Gina H. sucht immer wieder Blickkontakt
Während der Verhandlung fällt auf, dass Gina H. heute immer wieder mit den Augen durch den Gerichtssaal sucht. Zwischendurch blickt sie dabei auch mehrfach in Richtung von Matthias R., der die Verhandlung als Zuschauer verfolgt.
01.07.2026 - 15:22 Uhr
„Ich kenne sie, seit sie im Kinderwagen lag“
Der nächste Zeuge schildert eine jahrzehntelange Bekanntschaft mit Gina H. „Eigentlich kenne ich sie, solange sie lebt. Ich habe sie schon im Kinderwagen kennengelernt“, sagt der 70-Jährige.
Intensiver sei der Kontakt geworden, als seine Tochter vor rund acht Jahren bei Gina H. Reitunterricht nahm. Beide hätten die Leidenschaft für Pferde verbunden. Nach eigenen Angaben habe er später versucht, Gina H. wegen ihrer psychischen Probleme zu unterstützen.
01.07.2026 - 15:22 Uhr
„Sie hat ein unterdurchschnittliches Selbstwertgefühl“
Auf die Frage des Richters, welches „psychische Dilemma“ er bei Gina H. erkannt habe, antwortet der Zeuge ausführlich. Nach seiner Einschätzung leide sie unter einem „unterdurchschnittlichen Selbstwertgefühl“, reagiere schnell über und verfüge über „sehr wenig Empathieempfinden“.
„Das macht den Umgang mit ihr schwierig“, sagt er. Wer das nicht wisse, könne daran verzweifeln. Alles, was ihr Selbstwertgefühl verletze, sei problematisch.
01.07.2026 - 15:23 Uhr
„Sie hat mir leid getan“
Richter Holger Schütt will wissen, warum der Zeuge sich trotz dieser Einschätzung so intensiv um Gina H. gekümmert habe.
„Sie hat mir leid getan“, antwortet der 70-Jährige. Er sei überzeugt gewesen, dass sie „eigentlich einen guten Kern“ habe, mit ihrem Zustand aber nicht umgehen könne. Deshalb habe er versucht, als Vermittler zu helfen. Nach ihrem Suizidversuch sei er nach eigenen Angaben sogar derjenige gewesen, den Gina H. angerufen habe. Seit ihrer Inhaftierung bestehe allerdings kein Kontakt mehr.
01.07.2026 - 15:26 Uhr
Richter hakt bei Geldzahlungen nach
Der Zeuge berichtet, dass ihn vor allem die gemeinsame Leidenschaft für Pferde mit Gina H. verbunden habe. Als sie sich ihr drittes Pferd kaufte, habe er sich „als Pate für dieses Pferd“ empfunden.
Richter Holger Schütt spricht anschließend die zahlreichen Geldzahlungen an, die sich aus den Chatverläufen ergeben. Der Zeuge betont, er habe nur Geld gegeben, wenn es um die Versorgung der Pferde gegangen sei. Der Richter hält dagegen: Die Akten zeichneten ein anderes Bild. „Sie bringen ihr ja nicht die Realität bei. Da ist jemand, der sich keine Pferde leisten kann“, gibt Schütt zu bedenken.
01.07.2026 - 15:31 Uhr
Zeuge kennt Gina H.s Finanzen genau
Richter Holger Schütt fragt, wie gut der Zeuge über die finanzielle Situation von Gina H. Bescheid gewusst habe. Die knappe Antwort: „Alles!“
Der 70-Jährige zählt anschließend die Einnahmen der Angeklagten auf – darunter Erwerbsminderungsrente, Kindergeld, Kindergeldzuschlag und Unterhaltsvorschuss. Insgesamt seien das nach seiner Erinnerung rund 1600 Euro im Monat gewesen. Nach Abzug von Miete, Nebenkosten und Bankverpflichtungen seien ihr etwa 700 Euro zum Leben geblieben.
01.07.2026 - 15:38 Uhr
„Bei Geld hört die Freundschaft nicht auf“
Schütt will wissen, warum der Zeuge Gina H. immer wieder größere Geldbeträge überwiesen habe. Auf die Frage, ob er viel Geld habe, antwortet der 70-Jährige: „Bei mir gilt nicht: Bei Geld hört die Freundschaft auf. Ich bin da nachsichtiger.“
Er habe gehofft, Gina H. könne ihre Stute Cleo so gut ausbilden, dass sie als erfolgreiche Reiterin mit einem erfolgreichen Pferd ihren Lebensunterhalt verdienen könne. Ein Teil des geliehenen Geldes sei bis heute nicht zurückgezahlt worden.
01.07.2026 - 15:41 Uhr
Zeuge führte Notizbuch über Gina H.
Der 70-Jährige berichtet, Gina H. habe ihm selbst von ihrer Borderline-Erkrankung erzählt. Nach seiner Erinnerung habe sie kurz nach der Trennung von Matthias R. einen Suizidversuch unternommen.
„Am 16. August 2025 hat sie Tabletten genommen und mich aus dem Krankenhaus angerufen, ob ich sie abholen könnte“, sagt der Zeuge.
Für seine Aussage hat er ein Notizbuch mitgebracht. Darin habe er sich wichtige Ereignisse und Gespräche mit Gina H. über die Jahre notiert.
01.07.2026 - 15:51 Uhr
„Die Pferde waren ihr Lebensinhalt“
Der Zeuge beschreibt Gina H. als durch ihre Vergangenheit geprägten Menschen. „Sie ist durch die traumatische Kindheit verdorben, aber kein schlechter Mensch“, sagt er. Nach seiner Schilderung habe ihre Mutter Drogen konsumiert, später sei ihr früherer Partner alkoholabhängig und gewalttätig geworden.
Über Matthias R. habe Gina H. ihm lediglich erzählt, dass dieser Alkohol trinke. Von Gewalt habe sie nie berichtet. „Die Pferde sind mehr als ein Hobby, das ist bei ihr Lebensinhalt“, sagt der Zeuge.
01.07.2026 - 15:51 Uhr
„Sie will mehr, als sie kann“
Der 70-Jährige schildert außerdem seine Sicht auf den Charakter der Angeklagten. „Sie will mehr, als sie kann. Alle anderen sind schuld. Das macht nicht glücklich.“
Wenn sie akzeptieren würde, was sie leisten könne, wäre ihr nach seiner Einschätzung geholfen. „Wenn man den ganzen Tag zu Hause sitzt und nichts zu tun hat außer sich um die Pferde zu kümmern, dann kommt man auf Ideen“, sagt der Zeuge.
01.07.2026 - 15:51 Uhr
Richter hakt bei Fabian nach
Richter Holger Schütt hält dem Zeugen eine frühere Aussage vor. Darin hatte dieser erklärt: „Sie ist nicht die beste Mutter, aber sie bemüht sich. Ihr Sohn kannte ihre Eigenheiten und konnte darauf reagieren. Bei Fabian war das anders, der war im Nachteil.“
Der Zeuge bleibt auch heute bei dieser Einschätzung. Auf den Hinweis des Richters, er habe Fabian doch kaum gekannt, antwortet er: „Ich habe ihn so eingeschätzt.“ Mit dem „Nachteil“ habe er gemeint, dass Fabian aus seiner Sicht weniger Aufmerksamkeit bekommen habe.
01.07.2026 - 16:04 Uhr
Anruf nach dem Leichenfund
Schütt fragt den Zeugen nach dem 14. Oktober 2025. Der 70-Jährige berichtet, Gina H. habe ihn noch am Abend angerufen.
„Sie war bei der Polizeiwache und hat erzählt, dass sie Fabian gefunden hat“, sagt er. Das Gespräch sei sehr ungeordnet gewesen. „Sie hat viel dazwischen geweint.“ Am nächsten Tag habe er deshalb noch einmal nachgefragt. Gina H. habe ihm erzählt, sie sei mit Heike spazieren gewesen und deren Hund habe Fabian gefunden. Weitere Einzelheiten habe sie nicht geschildert. „Sie sagte, es war ein beschissener Zufall.“
01.07.2026 - 16:05 Uhr
Richter wundert sich über romantische Nachrichten
Anschließend spricht Richter Holger Schütt den intensiven Chatkontakt zwischen dem Zeugen und Gina H. an. Er hält ihm eine Nachricht vor: „Gute Nacht, schlaf gut und träume aufregend, romantisch, wunderbar, zärtlich und herrlich bezaubernd.“
„Erklären Sie mir das mal“, fordert der Richter.
Der Zeuge entgegnet: „Ich habe Gina auch gemocht. Aber Sie müssen daraus nichts machen, was es nicht war.“ Er habe ihr lediglich helfen wollen.
01.07.2026 - 16:05 Uhr
„Versteh ich nicht“
Der Richter hakt nach, ob sich der Zeuge eine Beziehung mit Gina H. gewünscht habe.
„Nein! Das wäre völlig kontraproduktiv gewesen. Ich wollte ihr ja helfen“, antwortet der 70-Jährige. Schütt entgegnet, er habe den gesamten Nachrichtenverkehr gelesen. Solche Formulierungen habe er bislang noch nie in einer rein freundschaftlichen Kommunikation gesehen. „Nehme ich so zur Kenntnis. Versteh ich nicht, aber muss ich nicht verstehen“, sagt der Vorsitzende.
01.07.2026 - 16:05 Uhr
Wieder 700 Euro geliehen
Zum Schluss hält der Richter dem Zeugen noch einen weiteren Chatverlauf vor. Darin bittet Gina H. um ein Darlehen über 700 Euro. Seine Ant
wort: „Okay, geht in Ordnung.“
Wofür das Geld gedacht gewesen sei, könne er heute nicht mehr sagen. Er gehe aber davon aus, dass es – wie so oft – um ihre Pferde gegangen sei.
01.07.2026 - 16:09 Uhr
Chats offenbaren massive Geldsorgen
Der Richter hält weitere Nachrichten von Gina H. vor. Darin bittet sie den Zeugen, mit einer Rückzahlung noch zu warten: „Kann das mit dem Geld noch etwas warten? Ich hab zu dolle Geldprobleme gerade. Inkassounternehmen und so weiter.“
In einer weiteren Nachricht vom 18. Juni 2024 schreibt sie: „Wenn das so weitergeht, kann ich bald Privatinsolvenz anmelden.“
Der Zeuge erklärt, nun wisse er wieder, worum es damals gegangen sei. Gina H. habe für eine Bekannte Zahlungen vorgestreckt und sei darauf sitzen geblieben. In einer weiteren Nachricht bittet sie erneut um Hilfe: „Ich habe 1500 Euro Schulden und es dauert nicht lange, dann steht der Gerichtsvollzieher vor der Tür.“
01.07.2026 - 16:14 Uhr
Ehefrau sah Geldleihen kritisch
Holger Schütt will wissen, wie die Ehefrau des Zeugen zu den regelmäßigen Geldzahlungen an Gina H. stand.
Der 70-Jährige antwortet offen: „Da sind wir unterschiedlicher Meinung.“ Seine Frau halte nichts davon, anderen Menschen Geld zu leihen.
01.07.2026 - 16:21 Uhr
„Ich wollte sie aus dieser Grube holen“
Richter Holger Schütt fragt den Zeugen, was ihn dazu bewegt habe, Gina H. über Jahre zu unterstützen – mit Geld, Nachrichten und Hilfe im Alltag.
Der 70-Jährige antwortet: „Meine Ambition war, sie aus dieser Grube zu führen.“ Sein „Lohn“ wäre gewesen, wenn sie als erfolgreiche Reiterin mit ihrem Pferd wieder auf eigenen Beinen gestanden hätte. „Ich mochte sie, aber ich hatte keine anderen Ambitionen.“
01.07.2026 - 16:21 Uhr
„Zum Verlieben“
Der Richter hält dem Zeugen eine Nachricht vom 13. Oktober 2025 vor. Gina H. hatte ihm ein Spiegel-Selfie geschickt. Seine Antwort lautete: „Zum Verlieben.“
Auf die Nachfrage des Richters erklärt der Zeuge: „Ich mochte sie – und zwar nicht mehr.“ Er bestreitet erneut, jemals eine Beziehung oder sexuelle Interessen an Gina H. gehabt zu haben.
01.07.2026 - 16:22 Uhr
Richter wird deutlich
Zum Ende der Vernehmung spricht Richter Holger Schütt den ungewöhnlich engen Kontakt zwischen dem Zeugen und Gina H. noch einmal an. Er macht deutlich, dass ihm der gesamte Nachrichtenverkehr bekannt sei und erklärt dem Zeugen, nicht alle Chats und Bilder öffentlich zeigen zu wollen, obwohl sie den Verfahrensbeteiligten vorlägen.
Anschließend beendet der Vorsitzende seine Befragung und gibt das Fragerecht weiter. Dabei wirkt er deutlich unzufriedener als zuvor und macht aus seinem Unverständnis über die Erklärungen des Zeugen keinen Hehl.
01.07.2026 - 16:31 Uhr
Ehefrau wusste von dem Kontakt
Staatsanwalt Oliver Schley fragt den Zeugen, ob er auch anderen Menschen in ähnlichem Umfang finanziell geholfen habe. Der 70-Jährige verneint. „Nein, das kann ich mir nicht leisten. Früher habe ich mal einem Freund geholfen.“
Auf die Frage, ob seine Ehefrau den intensiven Chatkontakt mit Gina H. kenne, antwortet er: „Glücklich ist sie darüber nicht.“ Seine Frau kenne jedoch seine Einstellung. „Ich habe eine andere Haltung zu Mitmenschen.“
01.07.2026 - 16:40 Uhr
Mathelehrer diskutiert mit dem Psychologen
Der psychiatrische Sachverständige Dr. Keiper hakt nach, weil der Zeuge mehrfach Einschätzungen zur Persönlichkeit von Gina H. abgegeben hat. Er macht deutlich, dass sich seine fachliche Bewertung nicht mit den Schlussfolgerungen des 70-Jährigen deckt und möchte wissen, worauf dieser seine Einschätzungen stützt.
Die ungewöhnliche Fragerunde gipfelt darin, dass der Zeuge den Psychologen selbst fragt: „Wissen Sie, was ein Dunning-Kruger-Effekt ist?“
Auf die Gegenfrage des Sachverständigen, ob er sich von Gina H. manipuliert gefühlt habe, antwortet der Zeuge: „Es gab eine Zeit lang, da fühlte ich mich so und zog mich etwas zurück.“ Dieses unterschwellige Signal habe Gina H. verstanden.
01.07.2026 - 17:01 Uhr
„Der Friseur ist manchmal eine halbe Therapeutin
Mit einem Schmunzeln fragt Richter Holger Schütt die nächste Zeugin, eine Friseurin: „Der Friseur ist manchmal eine halbe Therapeutin. Was können Sie uns so erzählen?“
Die Zeugin berichtet, Gina H. habe bei ihren Besuchen von ihrem Sohn, einer früheren Vergewaltigung und konfliktreichen Beziehungen erzählt. „Einzelheiten hat sie nie erzählt. Ich frage da auch nicht so nach, ich lasse die Kunden erzählen.“
Einmal seien ihr besonders die ungewöhnlich kurz geschnittenen Haare am Hinterkopf aufgefallen. „Da meinte sie, da ist ihr Freund dran schuld.“
Während der Aussage muss Gina H. kurz schmunzeln. Sie beugt sich zu ihrem Verteidiger Andreas Ohm und erklärt ihm leise, wie es aus ihrer Sicht dazu gekommen sei.
01.07.2026 - 17:03 Uhr
Friseurin sah Fabian kurz vor seinem Verschwinden
Auf die Frage des Richters, ob sie Fabian gekannt habe, antwortet die Friseurin: „Nein.“
Etwa eine Woche vor seinem Verschwinden habe sie den Achtjährigen jedoch zweimal in der Nähe seiner Wohnung gesehen. Zunächst habe er auf dem Boden gesessen und auf sein Handy geschaut. Wenig später sei er ihr mit mehreren Einkäufen – unter anderem Fünf-Minuten-Terrinen und Chips – wieder begegnet. „Ich dachte mir noch: Du musst ja schnell selbstständig geworden sein.“ Fabian sei dabei „sehr freundlich“ zu den Kassiererinnen gewesen.
01.07.2026 - 17:05 Uhr
Vergewaltigung gleich beim ersten Friseurbesuch Thema
Richter Holger Schütt fragt nach den Gesprächen im Friseursalon. Die Zeugin berichtet, Gina H. habe ihr bereits beim ersten Termin im Jahr 2024 erzählt, vor etwa zehn bis zwölf Jahren vergewaltigt worden zu sein.
Nach ihrer Schilderung sei sie damals vom Fahrrad geholt und vergewaltigt worden. Die Friseurin erinnert sich, von dem Fall auch aus den Medien gehört zu haben. „Wenn Kunden so etwas schon beim ersten Besuch erzählen, ist das etwas merkwürdig. Da ist Frau H. aber nicht die Einzige“, sagt die Zeugin.
01.07.2026 - 17:17 Uhr
Sprachnachrichten über Fabian abgespielt
Vor Gericht werden nun Sprachnachrichten von Gina H. vom 11. Oktober 2025 abgespielt. Darin spricht sie mit ihrer Friseurin über den verschwundenen Fabian.
Sie kritisiert, dass der Achtjährige häufig allein zu Hause gewesen sei. „Er war gestern den ganzen Tag alleine“, sagt sie. Außerdem erklärt sie, Fabian habe weder den Hort besucht noch dort Mittag gegessen.
In einer weiteren Nachricht sagt Gina H.: „Früher oder später hätte was passieren müssen.“ Sie vermutet, Fabian habe Gründe gehabt wegzulaufen, und äußert zugleich die Sorge: „Ich hoffe, dass er nicht mit irgendjemandem mitgegangen ist.“
01.07.2026 - 17:22 Uhr
„Jeder glaubt, ich hätte Fabian umgebracht“
Vor Gericht werden weitere Sprachnachrichten zwischen Gina H. und ihrer Friseurin abgespielt. Nachdem die Friseurin aus den Medien erfahren hat, dass die Ex-Freundin von Fabians Vater die Leiche gefunden habe, fragt sie nach: „Bist du diese Ex-Freundin?“
Gina H. antwortet knapp: „Ja, das war ich.“
Die Friseurin zeigt sich erschüttert und schreibt: „Oh nein, das ist ja furchtbar. Oh Gott. Mir fehlen gerade die Worte. Oh Gina, ich drück dich ganz fest.“
Darauf antwortet Gina H.: „Momentan steh ich ja am Pranger und jeder denkt und glaubt, ich hätte Fabian umgebracht. Das ist gerade alles viel schlimmer, das aushalten zu müssen. Das ist einfach nur noch furchtbar.“
01.07.2026 - 17:22 Uhr
Beim Friseur sprach Gina H. vom Fund am Vortag
Nach den abgespielten Nachrichten blieb der Kontakt zwischen der Friseurin und Gina H. bis zu deren Festnahme bestehen. Noch am Montag vor der Verhaftung saß die Angeklagte bei ihr im Friseursalon.
Dabei habe Gina H. erzählt, sie habe Fabian bereits am 13. Oktober gemeinsam mit zwei Freunden gefunden – also einen Tag vor dem offiziellen Leichenfund.
01.07.2026 - 17:25 Uhr
Staatsanwalt hakt bei einer Formulierung nach
Oberstaatsanwalt Oliver Schley greift eine Formulierung aus einer Sprachnachricht von Gina H. vom 11. Oktober auf. Darin hatte die Angeklagte gesagt: „Fabian war wirklich fett.“
Schley fragt die Friseurin, ob ihr damals aufgefallen sei, dass Gina H. dabei bereits die Vergangenheitsform verwendete – obwohl Fabian zu diesem Zeitpunkt noch als vermisst galt und erst drei Tage später tot aufgefunden wurde. Die Zeugin verneint. Damals habe sie auf diese Formulierung nicht geachtet.
01.07.2026 - 17:28 Uhr
Letzter Zeuge des Tages
Zum Abschluss des Verhandlungstags wird Marian J. in den Gerichtssaal gerufen. Der Mann aus Reimershagen arbeitet als Mechaniker.
Sein Name war im Prozess bereits mehrfach gefallen: Nach früheren Aussagen soll er Gina H. geholfen haben, als sie einen Pferdesattel stahl.
01.07.2026 - 17:33 Uhr
Marian J. berichtet vom Sattel-Diebstahl
Der letzte Zeuge des Tages erzählt, dass er Gina H. zunächst nur flüchtig gekannt habe. Erst 2020 sei der Kontakt enger geworden. Man habe fast täglich Zeit miteinander verbracht. „Mehr als Freundschaft war da nicht“, sagt der Mechaniker.
Auf Nachfrage des Richters räumt er jedoch ein, dass er sich mehr hätte vorstellen können. „Ja, hatte ich. Das hat sie ausgenutzt.“
Er schildert anschließend den bereits mehrfach erwähnten Sattel-Diebstahl: Gina H. habe ihn eines Abends auf einen Hof geführt und ihn gebeten, einen Zaun zu öffnen. „Ich habe gesagt: Ich hau ab, weil ich nichts mitnehme, was mir nicht gehört.“ Gina H. habe daraufhin den Sattel genommen und in den Kofferraum gelegt.
01.07.2026 - 17:40 Uhr
Zeuge sieht sich von Gina H. „reingeritten“
Marian J. schildert weiter, dass Gina H. ihm den gestohlenen Sattel später stolz gezeigt habe. Anschließend habe sie einzelne Teile verkaufen wollen, um an Geld zu kommen. Für ein Foto eines Sattelpads habe er den Gegenstand sogar in die Kamera halten müssen. Später sei dann die Polizei auf ihn aufmerksam geworden.
Nach seiner Darstellung habe Gina H. ihn damit immer weiter in die Sache hineingezogen. Später habe sie ihm sogar gesagt, Matthias R. sei wütend auf ihn, weil dieser glaube, Marian habe den Diebstahl verraten. Vor Gericht habe Gina H. schließlich behauptet, er sei „für Diebstahl bekannt“.
01.07.2026 - 17:42 Uhr
Video soll Gina H. widersprechen
Marian J. berichtet, dass er nach dem Sattel-Diebstahl ein Video aufgenommen und später auch der Polizei übergeben habe.
Darin erkläre er Gina H., dass er „nicht mehr den Kopf für sie hinhalte“ und sie ihre Angelegenheiten künftig selbst regeln müsse. Er habe befürchtet, dass sie ihm vor Gericht „den schwarzen Peter zuschieben“ wolle. Das rund eineinhalb Minuten lange Video wird nun im Gerichtssaal abgespielt.
01.07.2026 - 17:43 Uhr
Video aus dem Schuppen abgespielt
m Gerichtssaal wird das von Marian J. aufgenommene Handyvideo abgespielt. Darauf ist zu sehen, wie Gina H. plötzlich im Eingang eines Schuppens erscheint und den Zeugen lautstark beschimpft. Neben ihr steht ihr leiblicher Sohn.
Nach rund eineinhalb Minuten endet die Aufnahme abrupt – nach Angaben des Zeugen, weil der Akku seines Handys leer war. Seit diesem Moment habe es keinen Kontakt mehr gegeben.
01.07.2026 - 17:49 Uhr
„Lass dich nicht mit der ein“
Auf die Frage des Richters beschreibt Marian J. die Angeklagte als „anstrengend“. „Sie kann sehr nett sein. Aber wenn sie ihren Willen nicht kriegt, geht's von 0 auf 100. Wenn du sie beim Lügen erwischst, wird sie sehr aufbrausend.“
Außerdem bestätigt der Zeuge, dass er Olaf K. vor Gina H. gewarnt habe. „Ich habe zu ihm gesagt: Lass dich nicht mit der ein.“ Der Richter hält ihm seine frühere Aussage vor, wonach er sogar gewarnt habe, Gina H. könne ihm später eine Vergewaltigung anhängen. Der Zeuge bestätigt auch das.
01.07.2026 - 17:50 Uhr
Richter überprüft Alibi am Tattag
Zum Abschluss fragt Richter Holger Schütt den Zeugen detailliert nach seinem Tagesablauf am 10. Oktober 2025, dem Tag von Fabians Verschwinden. Marian J. schildert, was er an diesem Tag gemacht habe und wo er sich aufgehalten habe.
Weitere Fragen hat der Vorsitzende anschließend nicht mehr.
01.07.2026 - 17:53 Uhr
„Was hatte sie in Klein Upahl zu suchen?“
Der Zeuge berichtet, dass ihn der Fundort von Fabian von Anfang an stutzig gemacht habe. „Als ich gehört habe, dass Fabian in Klein Upahl gefunden wurde, dachte ich mir: Wie kommt der denn dahin?“
Als später bekannt geworden sei, dass Gina H. den Jungen gefunden hatte, habe sich ihm sofort die nächste Frage gestellt: „Was hat die dort zu suchen?“ Nach seiner Erinnerung sei er mit ihr nie in Klein Upahl Schlitten gefahren. „Wenn wir im Winter draußen waren, dann immer in Reimershagen am See.“
01.07.2026 - 17:55 Uhr
„Wie ein Leibeigener“
Nebenklagevertreterin Christina Habetha greift eine frühere Aussage von Olaf K. auf. Dieser hatte Marian J. als den „Knecht“ vor ihm bezeichnet.
Der Zeuge kann mit der Beschreibung etwas anfangen. „Wie ein Leibeigener“, sagt er. Wenn er nur eine Minute zu spät gekommen sei, „ist sie unter die Decke gegangen“. Trotzdem habe er neben seiner normalen Arbeit regelmäßig die Pferde versorgt – morgens am Wochenende und abends nach Feierabend. „Dafür hat sie sich nicht erkenntlich gezeigt.“
Auf die Frage von Verteidiger Andreas Ohm, ob er dafür eine Gegenleistung erwartet habe, antwortet Marian J. knapp: „Ich hab nichts gefordert.“
01.07.2026 - 17:56 Uhr
Zeuge entlassen, Schlussstatements beginnen
Weitere Fragen gibt es nicht. Marian J. wird unvereidigt aus dem Zeugenstand entlassen.
Damit endet die Beweisaufnahme für heute. Nun folgen die Schlussbemerkungen der Verfahrensbeteiligten, bevor der Prozesstag beendet wird.
01.07.2026 - 18:01 Uhr
Staatsanwalt sieht Manipulation bestätigt
Oberstaatsanwalt Oliver Schley zieht zum Ende des Prozesstags ein deutliches Fazit. Nach seiner Ansicht habe die Beweisaufnahme heute vor allem die „manipulative Art“ der Angeklagten gezeigt.
Er verweist auf den 70-jährigen Mathematiklehrer, der Gina H. über Jahre finanziell unterstützt habe, sowie auf Marian J., der nach eigener Aussage durch sie in den Sattel-Diebstahl hineingezogen worden sei. Außerdem hätten mehrere Zeugen die Konflikte zwischen Gina H. und Matthias R. geschildert – Schilderungen, die Matthias R. vor Gericht teilweise bestritten habe.
Besonders eindrücklich sei für ihn die Aussage der Tierärztin gewesen. Diese habe Gina H. im Zusammenhang mit Fabians Verschwinden als auffallend emotionslos beschrieben, während sie den Tod ihrer Pferde als hoch emotional erlebt habe.
01.07.2026 - 18:04 Uhr
Verhandlung für heute beendet
Der 16. Prozesstag ist beendet.
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