Ja, das vermittelt ein bisschen den Eindruck, als hätte da jemand im Nachgang und wohl nicht anfänglich/längerfristig geplant ein eigenmächtiges Verschwinden und Versterben Emiles ohne Einwirkung Dritter vortäuschen wollen.AngRa hat geschrieben: ↑Samstag, 24. Januar 2026, 04:42:17 Es wurde zur Ablage der Knochen ein Ort im Wald gewählt, der zwar so nahe am Ort des Verschwindens lag, dass der Kleine ihn zu Fuß erreichen konnte, der aber auch so abseits gelegen war, dass ein früheres Auffinden nicht hätte erfolgen müssen, so dass niemand stutzig werden konnte, dass die Knochen nicht längst gefunden worden waren. Die Verlagerung der Knochen war im Nachhinein gesehen ein Fehler, denn nun gab es etwas zum Untersuchen ( Knochen, Kleidung, Fundort) und nach den heutigen Möglichkeiten kann man auch nach langer Lagerungszeit viel feststellen. .
Natürlich ist uns aufgrund der Details (etwa Bekleidungsstatus als Beispiel) unmittelbar klar, dass es so nicht gewesen sein kann. Einem so motivierten Täter hätte das eigentlich klar sein müssen, dass das so nicht funktionieren kann.
Ja, "eigentlich". Da könnte man jetzt zu dem Schluss kommen, so kanns nicht gewesen sein.
Oder aber man überlegt, für was für einen Täter das denn nicht unbedingt so klar (und handlungsweisend) gewesen sein müsste.
Da komme ich in meiner Vorstellung erstmal auf einen ausgeprägt einfach gestrickten, vielleicht auch einfältigen Menschen, oder aber einen auffallend naiven Menschen. Also so oder so auf jemanden, der sich von der Situation ein für sich selbst wohl recht anschauliches, aber in den Details wenig ausgeprägtes, realistisches Bild macht.
Da sehe ich entweder einen deutlich unterdurchschnittlich intelligenten Menschen, oder ein Kind. Auch einen Jugendlichen/Heranwachsenden könnte ich mir da vorstellen.
Warum? Es geht weniger (jedenfalls nicht nur) darum, dass die Person vollumfänglich meinen und nach reiflicher Überlegung überzeugt sein müsste, wenn die Überreste da im Wald gefunden werden, dann wäre ja naheliegend klar, dass Emile wohl weggelaufen und dort zu Tode gekommen sei.
Es geht auch darum, dass derjenige seine Anschauung der Situation vielleicht auf diesem einfachen Niveau hält und nicht weiter hinterfragt, um sich Handlungsfähigkeit herzustellen. So eine Herangehensweise/Handlungsstrategie, die auch oder vielleicht sogar überwiegend auf Glauben/Hoffen basiert, dass es gutgehen kann. So ein "ich mach das, was mir spontan/intuitiv plausibel erscheint" - etwa weil der Mensch keine (oder keine gute) Erfahrung mit sorgfältig und detailliert durchdachten Entscheidungsprozessen hat.
Und da wären wir neben dem naiven Kind (wo das als Muster der Entscheidungsfindung voll passt) und dem unterintelligent-einfältigen Erwachsenen eben auch bei dem Jugendlichen/Heranwachsenden, wo wenig durchdachte Spontanhandlungen, Überreaktion und Handeln nach vereinfachten Anschauungen wegen "Wollen" statt "Akzeptieren der Sachlage" kein unerwartetes Muster wären.
Kurz, unsere Wahrnehmung der Situation im Nachgang, in Kenntnis und Beachtung der Details, intelligent analysierend und im gegenseitigen Austausch reflektierend - das muss nicht die Entscheidungs- und Handlungsgrundlage des Täters widerspiegeln, bei Weitem nicht. Plausibles Täterhandeln und argumentativ beste Handlungsoption sind nicht deckungsgleich - was aber natürlich nicht heißt, jedes x-beliebige Handeln wäre gleich wahrscheinlich. Es muss aus Täterperspektive schon gute Gründe dafür geben, ihn überzeugende Sinnhaftigkeit haben.
Ja, Angst ist ein schlechter Berater. In meinen Augen würde der Stress und das emotional starke Bedürfnis nach einer (irgendeiner) Lösung, wenn man die Überreste aus Entdeckungsangst loswerden will/muss, genau so eine Entscheidungsgrundlage (Handeln nach einfacher Anschauung, auf Glauben/Hoffen bauend) begünstigen.
In dem Zusammenhang, die Überreste loswerden "müssen"... gerade wenn ich mir einen Täter wie die oben herausgestellten Typen vor Augen halte, könnte so ein Akt des "Loswerdens" der Überreste und Kolportieren eines verbrechenfreien Hergangs auch stark emotional motivert sein, so ein "sich freimachen" von der Last der Tat, die (auch) durch die fortdauernden Ermittlungen bedrohlich präsent bleibt. Also gar nicht unbedingt aus einer objektiv gegebenen Notwendigkeit, etwa weil die Überreste am vorigen Ort akut auffindungsgefährdet wären, eher in Richtung Entlastungshandlung für den inneren Stress fortlaufend empfundener Bedrohung.
Das alles natürlich nicht mehr als ein paar Gedanken ins Blaue, ausgehend vom spontanen Eindruck und der Möglichkeit, dass mit der Ablage vielleicht ein eigenmächtiges Verschwinden Emiles mit Todesfolge vorgespiegelt werden sollte.
Natürlich gut möglich, dass das überhaupt nicht zutrifft.
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