MORDFALL BIRGIT AMEIS -- Diskussion

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Widasedumi
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Re: MORDFALL BIRGIT AMEIS (54 †), FLUGH. HAHN, APRIL 2015

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Rebus hat geschrieben: Montag, 12. April 2021, 11:33:40 Auch mein Konstrukt ist nur Theorie, versucht aber die m.E. zentrale Frage zu beantworten: „Wie kommt eine Frau bei dem Wetter in vermutlich unzureichender Bekleidung in den Wald, wenn ihr Auto fremdspurenlos auf einem Parkplatz in L. steht“? Darauf gibt es bestimmt noch anderer Antworten, manche vielleicht realistischer, manche nahe am Tatortkrimi. Aber ich brauche eine Konstruktion ohne superklugen Täter, der das rote Auto ohne Spuren auf den Pakrplatz bringt, Handys in den Flugmodus versetzt und gleichzeitig so saudumm ist, die Leiche mit seinen Spuren im zu vermutenden Suchradius der Polizei abzulegen. Da passt was nicht.
Hallo Rebus

Es passt alles. Ich mache im Internen Thread weiter. Hierzu hast du als HET-Mitglied auch Zugang. Als ich gestern Abend so über den Fall döste, fiel es mir wie Schuppen von den Augen, dass genau diese Opposition von "superklug" und "saudumm", ein zusätzliches Indiz ist, welches in meine Theorie passend reinläuft. Echt!
Widasedumi
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Re: MORDFALL BIRGIT AMEIS (54 †), FLUGH. HAHN, APRIL 2015

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Rebus hat geschrieben: Montag, 12. April 2021, 11:33:40 Bitte nicht vergessen: Wir sind hier keine „Ermittler“, denn wir ermittln ja gar nicht, sondern wir spielen eigentlich nur ein Spiel, das nach dem Motto verläuft „wir wisse nur, was in den Medien stand und nun mach daraus mal ein Szenario“. Die wirklichen Ermittler in diesem Fall wissen Dinge, die vermutlich manche unserer Fragen beantworten würden, und können Fragen stelllen, die wir hier im Forum nicht stellen dürfen.

Zustimmung. Puzzlespiele mochte ich immer gerne und blieb daran hängen. Auch an Sudokus kann ich mich festbeißen und alles vergessen. Gelöst landet es sofort im Papierabfall.

Rebus: Auch beim Sudoku wissen wir nur wenige Zahlen und ergänzen nach und nach auf das Ganze.
Zum Sudoku muss aber das Puzzle-Modell noch herhalten. Man kennt ein paar Fakten, dass eine 54jährige Ehefrau verschwunden ist. Man hat den STERNbericht mit 21 Puzzleteilen. (Die Polizei spricht von einem Mysterium, was evtl. eine Umschreibung einer internen Ermittlungshypothese sein könnte.) Im HET kamen noch viele Puzzlestücke zum Vorschein. Da lässt sich hermeneutisch ein ziemlich deutliches Bild zusammenbauen.
Je nach dem Ansatz der Hypothesen wird das Bild klarer oder bleibt verschwommen.
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Re: MORDFALL BIRGIT AMEIS (54 †), FLUGH. HAHN, APRIL 2015

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Rebus hat geschrieben: Montag, 12. April 2021, 11:33:40 Unser Opferbild bleibt erstaunlich blass ...
Bei meinem intuitiven Ansatz aufgrund des STERNberichts und den HET-Puzzleteilen kommt eine Persönlichkeit zum Vorschein, finde ich, über die wir recht viel wissen. Es ist so umfangreich, dass ich das gar nicht aufzählen kann. Der für Manchen hier heiß begehrte Erforschungsbereich der Sexualität fehlt allerdings völlig. Jemand schrieb, dass sich BA nicht schminkte, nicht die Augenbrauen zupfte, nicht stylte, etc. Ja, da war sie nicht der Typ, mal eben einem Kollegen auf den Schoß zu sitzen. Das war sie nicht.

Ich fand sie toll: Ihre Hobbys supertoll, vernünftig, gesund, erbaulich, entspannend. Sie freute sich auf die Enkel, auf die Kinder zum Grillfest an Ostern ... Ganz passable Frau! Ich glaube, dass sie finanziell gut gestellt war, weil sie mit dem Cent kalkulierte. Wahrscheinlich ein sehr akurates Beamtendenken? Und nicht anecken wollen?

Sie setzte auf Sicherheit und vermied Risiken. Lovers waren kein Thema. Zuhause hatte sie Arbeit. Haus und Garten machten Arbeit. Ein Lover kostet zu viel Zeit und bringt außer Umständen nicht viel. Birgit brauchte keine Komplimente eines Lovers. Sie hatte Freundinnen und eine Wandergemeinschaft. Sie war mit ihrer Arbeit, ihren großen Kindern, ihrem Heim, ihrer Familie und Verwandtschaft wohl ganz zufrieden. Über die Ehe wissen wir nur, dass Handykontakte nicht bekannt sind.
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Re: MORDFALL BIRGIT AMEIS (54 †), FLUGH. HAHN, APRIL 2015

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Widasedumi hat geschrieben: Montag, 12. April 2021, 02:23:46 Frau Ameis hätte ihr Auto auch nie in Lautzenhausen ins Parkverbot gestellt.
Rebus hat geschrieben: Montag, 12. April 2021, 15:01:32 Nun ja, da musste ich etwas lächeln: Ein überlegt handelnder Täter aber auch nicht. Ihm kann ja nicht daran gelegen sein, dass das Auto schnell entdeckt wird und die Polizei sich ernsthaft auf die Suche in der Region um den Hahn macht. Es sei denn - diese Spitze kann ich mir nicht verkneifen -, er geht davon aus, dass die Polizei in L. selbst nach tagelangem aufmerksamen Herumschlendern ein einsam geparktes rotes Auto nicht in einem Parkverbot am Gemeindehaus bemerkt. O-Ton meiner Tochter "Da parkt doch keiner am Wochenende". Und dass Spürhunde eine fußläufig vom Auto abgelegte Leiche nicht finden, kommt in einem Fernsehkrimi auch selten vor. In diesem Fall passt einfach nix.
Rebus

Für die Heimfahrt der 170 km plante sie genügend Zeit ein. Von 2,5 Stunden las ich, hätte sie sich genommen. Das ist gediegen. Der Kleinwagen war gepflegt und top, alles sicher. Frau Ameis, die das Flaschen-Pfand und die ökonomischste Strecke kombinierte, das Essen mitbrachte, legte keinen Wert darauf, sich in Lautzenhausen ins Parkverbot zu stellen, um einen Strafzettel zu kassieren. Sie hatte auf dem Flughafen ihr Parkrecht. Und von dort aus hätte sie ihren Walking angetreten, meiner Vermutung zufolge. Was sollte sie noch unnötig Benzin verfahren ? Sie war bodenständig und sparsam. Und am Ostersamstag einen Lover auf dem Gemeindeparkplatz bei Graupelschauern und Gefrierpunkttemperatur zu treffen, wie bescheuert ist denn diese Idee bei dieser Frau? Entschuldige, Rebus, ich möchte zuweilen auch ein bisschen kantig sein, ohne zu verletzen. Solche aalglatten Typen, die sich "political correct" überall hindurchwinden, haben kein Profil. Das ist langweilig. Es geht um die Sache. Da darf man auch mal strikt und direkt sein, wenns passt.
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Re: MORDFALL BIRGIT AMEIS (54 †), FLUGH. HAHN, APRIL 2015

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Rebus: Wege zur Wahrheit?

Ich habe drei Beiträge weiter oben einen falschen Begriff ausgetauscht. Ich hatte Heuristik statt Hermeneutik geschrieben. Aber ich meinte die hermeneutische Methode, das ist ein wissenschaftliches Verfahren, um Stückwerke zu erschließen, ihre Bedeutung zu erkennen, weil sich die Zeit in ihnen abgelagert hat. Auch biografisches vom Autor kann evtl. erkannt werden. Aus dem Kunstwerk erschließt sich auch, wie der Autor seine Zeit bewertet hat, was er kritisiert hat oder welche Veränderungen er angestrebt hat. Nicht nur in Worten, sondern auch im Versmaß, in Metaphern, in Wiederholungen etc. korrespondiert der Autor mit der Außenwelt, den Umständen und Gegebenheiten. Es gibt aber im Gegensatz zu einem Kriminalfall keine Eindeutigkeit oder Wahrheit. Es sind immer nur Annäherungen an Sinn und Bedeutung.

Vor vielen Jahren, als es noch kein Wikipedia gab, war ich in einem Seminar, wo wir uns in der Methode der Hermeneutik ansatzweise ein bisschen üben konnten, um zu wissen, was das ist. Diese Methode hat mich damals nicht sehr angesprochen. Ich hatte es lieber rational deduktiv nach der Logik, und nicht induktiv, vom Einzelnen aus, in alle Richtungen nach irgendwelchen Kriterien probierend, bis was einen Sinn ergibt.

Aber bei Kriminalfällen erinnere ich mich heute daran, dass diese Methode der Hermeneutik auch ihre Vorteile hat. So mussten wir in diesem Seminar ein Gedicht von Georg Heym "Ophelia" interpretieren. Es war ein schreckliches Gedicht (um 1910 herum entstanden) über eine Wasserleiche und fing an: "Im Haar ein Nest von jungen Wasserratten und die beringten Hände auf der Flut wie Flossen ..." Dann hat uns der Dozent, ein junger linker promovierter Assistent, scheibchenweise Informationen zum Leben und zur Zeitgeschichte des Autors gegeben, und wir haben als Seminarklasse gemeinsam tatsächlich einen Sinn des Gedichts erschlossen. Heute weiß ich es nicht mehr genau. Vermutlich war das Gesellschaftssystem marode wie die Wasserleiche, es war ja noch Kaiserreich, und die Republik war das zu Erstrebende. Aber das Gedicht ist sehr bekannt und Wikipedia hält Leben und Zeit des Autors mit einem Klick bereit.

Ich habe im Kriminalfall zunächst auch einen befremdlichen Sachverhalt, wie bei dem Wasserleichengedicht, den ich nicht verstehe. Dann gehe ich hermeneutisch an die Teile heran. Wir alle im HET steuern Wissen bei. Und man kann sich der Wahrheit des Falles mit allgemeinen Erkenntnissen über Frauenmorde, Zeitgeschichte mit ihrer Ethik und Moral, mit Gesetzen, menschlichen Verlockungen, Begierden und Anreizen, Alibikonstruktionen, Parallelfällen, der Familiensituation, der Arbeit usw. usf. annähern. Ein Mord kann sich erklären in Bedingungen, wo ich nicht unbedingt ein Polizist sein muss, um den Mord nachzuvollziehen. Ich kann die Handlung aus bestimmten Bedingungen, der Täterpersönlichkeit, der Gelegenheit, den Beziehungskonstellationen usw. vermuten oder nachvollziehen, aber nachweisen kann ich es von außen nicht.

Das nur als kleine Ergänzung, dass es noch mehr als Wissen und Logik zum Verstehen eines Falles gibt.
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Re: MORDFALL BIRGIT AMEIS (54 †), FLUGH. HAHN, APRIL 2015

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Rebus hat geschrieben: Montag, 12. April 2021, 15:01:32 O-Ton meiner Tochter "Da parkt doch keiner am Wochenende".
Jaja, Rebus, der Parkplatz am Gemeindehaus steht zwar leer, aber Lautzenhausen profitiert vom Flughafen. Umgekehrt will Lautzenhausen nicht der kostenlose Parkplatz für die Fluggäste sein und damit dem Flughafen die Parkgebühren entziehen. Daher herrscht in ganz Lautzenhausen ein Parkverbot für Auswärtige. Und Birgits Auto hatte ein auswärtiges Nummernschild.
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Re: MORDFALL BIRGIT AMEIS (54 †), FLUGH. HAHN, APRIL 2015

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Thommy_Franke hat geschrieben: Montag, 12. April 2021, 22:36:00
Mit einer Person an ihrem Arbeitsplatz stand sie allerdings seit Jahrzehnten Kontakt. Dieser Kontakt war sicher von Emotionen begleitet. Dieser Kontakt war ihr Bruder!
Sicher, und du kannst davon ausgehen, dass auch ich immer über mein versuchtes Szenario hinausdenke, das ja auch nur eines von mehreren für mich möglichen ist und bei dem ich, auch wenn es von mir selbst ist, auch die schwachen Punkte erkenne. Wenn man nicht auch an sich selbst zweifelt, verliert man die Flexibilität und verrennt sich. Was den Bruder, die Familie überhaupt angeht, hab ich meine Überlegungen. Mir ist klar, was ich alles nicht weiß, gerne wüsste, aber es ist für mich tabu, das öffentlich zu thematisieren. Den Weg gehe ich nicht im Forum.
Rebus
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Re: MORDFALL BIRGIT AMEIS (54 †), FLUGH. HAHN, APRIL 2015

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z3001x hat geschrieben: Dienstag, 13. April 2021, 00:13:06 Bei dem gemeinsam benutzten Appartement, der Kenntnis der Gewohnheiten B.A.s und dem kurzen Fussweg vom Tower dahin, kann man jedenfalls auf Ideen kommen. Es würde sogar die Möglichkeit bestehen, die eigentliche Tat und Wegschaffen zeitlich weit auseinanderliegend durchzuführen, und so gar keine Auffälligkeiten im Protokoll des Kommens&Gehens im sicherheitsüberwachten Eingang des Towers zu hinterlassen.
Die Tat: Kurz nach dem sich B.A. nochmal zum Ausruhen hingelegt hat. Das Wegschaffen: Abends/nachts nach Schichtende, wenn's dunkel ist.
Selbst das Wegschaffen des Autos zum Gemeindeparkplatz und zurück zu Fuss würde sich zeitlich zusammen mit der Tat am Vormittag in einem Zeitslot von unter 30 min unterbringen lassen. Ein mögliches Motiv ist natürlich müßig. Bei Geschwistern in dem Alter könnte man an Erbangelegenheiten (oder Vorbereitung darauf) denken oder wie auch immer geartete emotionale/Beziehungsspannungen.
Es kann natürlich auch alles Quatsch sein. Die Soko hat ihn ja auch in dem Stern-Bericht entlastet bzw jeden Verdacht als unbegründet bezeichnet. Häufig ist es wohl nicht wirklich, dass ein Geschwister ein anderes tötet, nicht der klassische Fall wie z.B. Ehemann vs Ehefrau. Aber ausgeschlossen ist ja bekanntlich immer nix, solange nix fix ist.
Ganz bestimmt geht sowas. Auch der Kriminalfall „Mord in 669“ ist ein Szenario, das man irgendwie hinbekommt. Großes Zeitfenster von Dienstende bis zum frühen Nachmittag. Mit wechselnder Beteiligung kann man da jede beliebige Person einbauen und ein jeweils passendes Motiv dazutun. Selbst die berühmten Flugbegleiter. Nehmen wir mal die Variante 14 Uhr:

B.A. ist schon fertig zur Abfahrt. Muss jetzt wirklich los, will ja noch zum Grillen. Hat ihre Sachen ins Auto geworfen, hat ihr Handy in den Flugmodus geschaltet (Anm.: Ich könnte mir bei einer Person, die nicht besonders Smartphone-affin ist, gut vorstellen, dass das eine bevorzugte Methode des „Ausschaltens“ ist, wenn man z.B. zum Einschalten eine Pin braucht, für den Flugmodus aber keine), nur noch die Handtasche ist draußen. Ein Mann, der in 669 wohnt, kommt und lockt sie unter einem Vorwand in sein Appartment. Übergriff mit Todesfolge. Erste Reaktion: Leiche kann hierbleiben, ist sicher, aber Auto muss jetzt weg, sonst sucht man hier. Wirft ihre Tasche gedankenlos zu dem übrigen Zeugs in den Kofferraum fährt Auto in fußläufiger Distanz weg nach Lautzenhausen und läuft zurück nach 669. Irgendwann (auch da gibt es ein größeres Zeitfenster, über den Tag hinaus sogar) packt er die Leiche in ein Stoffbehältnis ein z.B. eine sehr große, schwarze Reisetasche oder ein Tuch, verbringt sie, sobald die Luft rein ist (in der Dunkelheit z.B.), in sein Auto und schafft sie in den Wald.
Schwachpunkt: Keine Spuren außerhalb der Familie in ihrem Auto. Und kleine Zusatzfrage: Wo ist die verdammte Faltbox, die der Bruder gerade noch morgens im Aptm. gesehen haben will. Aber weniger wichtig sicher, als die Spurenlage im Auto.
SherlockHolmes
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Re: MORDFALL BIRGIT AMEIS (54 †), FLUGH. HAHN, APRIL 2015

Ungelesener Beitrag von SherlockHolmes »

Naja als wichtig betrachte ich den Verlust der Box schon. Auch das Abschleppseil auf den Wanderstöcken ist nicht unwichtig. Das Grillen war übrigens für Ostersonntag geplant nicht für Samstag. Dieser Unbekannte fährt das Auto ohne Sitzverstellung und ohne Fremdspuren auf den Parkplatz. Es gab aber den Brötchenzeugen..gut den lassen wir auch aussen vor...ne das passt für mich nicht.
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Re: MORDFALL BIRGIT AMEIS (54 †), FLUGH. HAHN, APRIL 2015

Ungelesener Beitrag von lindenstein »

Meiner Meinung nach wurde das Auto von Birgit selbst dort auf den Parkplatz Lautzenhausen an dem Morgen gefahren.

Die Konstellationen sind so verworren, dass man unter dem Strich kein Ergebnis bekommt.

Daher würde ein geartetes Treffen an dem Morgen, dass dann ausgeartet ist durchaus Sinn machen.

Wenn jetzt auch wieder die "Heckenschützen" kommen, ich schließe so ein innerfamiliäres Techtelmechtel nicht gänzlich aus,
auch der Beitrag von HBS vor Tagen fand ich nicht uninteressant.

So ein geiler Wanderswicht, der in seinem Kalender die Wandertage akribisch notiert hat, um eventuell auf ein Singleweibchen zu treffen, dass da alleine ihres Weges zieht, würde eine Konstellation ergeben. Der war dann aber schon im Vorfeld auffällig, bzw. man kam noch nicht auf ihn oder man konnte ihm nichts nachweisen.
Alle meine Beiträge spiegeln meine Meinung und ich kann auch völlig daneben liegen.
AngRa
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Re: MORDFALL BIRGIT AMEIS (54 †), FLUGH. HAHN, APRIL 2015

Ungelesener Beitrag von AngRa »

Ich glaube, dass Profiler ein Tatgeschehen konstruieren konnten, weil genügend übereinstimmende Aussagen des engen Umfelds von BA über ihr übliches Verhalten bzw. ihre Gewohnheiten vorlagen. Damit meine ich insbesondere den gewöhnlichen Ablauf ihrer Tätigkeiten nach einer Nachtschicht und vor einer Heimfahrt. Ich gehe davon aus, dass sie sich nach der Arbeit und vor der Heimfahrt immer einige Stunden in ihrem Appartement ausgeruht, vermutlich auch nochmals hingelegt hat. Sie hat meiner Meinung nach in diesen Stunden keine Spaziergänge oder gar Wanderungen unternommen, wo sie auf Fremde treffen konnte. Sie hatte als gewöhnlichen Ablauf das Ausruhen und dann den Antritt der Heimfahrt und sie war auch wohl so etwas wie ein "Gewohnheitstier". So könnte ich es mir jedenfalls vorstellen. Die Polizei dürfte Genaueres in Erfahrung gebracht haben.

Ich vermute auch, dass die Polizei eine bestimmte Auffassung zum Flugmodus des Handys gewonnen hat, ganz einfach auch durch die Aussagen des nahen Umfelds. BA hat das Handy selten genutzt, es gingen kaum Anrufe oder SMS ein. Da war mal Tage vor ihrem Verschwinden ein Anruf der Tochter, also Kontakte, die kaum der Rede wert sind. Es war von daher gesehen auch nicht damit zu rechnen, dass sie durch viele Anrufe gestört werden würde, so dass sie um dem zu entgehen das Handy auf Flugmodus einstellen musste. Ich vermute, dass sie die Einstellung auf Flugmodus nicht selber vorgenommen hat. Vielleicht sind die Profiler zu einem ähnlichen Ergebnis gekommen.
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Re: MORDFALL BIRGIT AMEIS (54 †), FLUGH. HAHN, APRIL 2015

Ungelesener Beitrag von Rebus »

Widasedumi hat geschrieben: Dienstag, 13. April 2021, 06:18:14 Rebus: Wege zur Wahrheit?

Ich habe im Kriminalfall zunächst auch einen befremdlichen Sachverhalt, wie bei dem Wasserleichengedicht, den ich nicht verstehe. Dann gehe ich hermeneutisch an die Teile heran. Wir alle im HET steuern Wissen bei. Und man kann sich der Wahrheit des Falles mit allgemeinen Erkenntnissen über Frauenmorde, Zeitgeschichte mit ihrer Ethik und Moral, mit Gesetzen, menschlichen Verlockungen, Begierden und Anreizen, Alibikonstruktionen, Parallelfällen, der Familiensituation, der Arbeit usw. usf. annähern. Ein Mord kann sich erklären in Bedingungen, wo ich nicht unbedingt ein Polizist sein muss, um den Mord nachzuvollziehen. Ich kann die Handlung aus bestimmten Bedingungen, der Täterpersönlichkeit, der Gelegenheit, den Beziehungskonstellationen usw. vermuten oder nachvollziehen, aber nachweisen kann ich es von außen nicht.

Das nur als kleine Ergänzung, dass es noch mehr als Wissen und Logik zum Verstehen eines Falles gibt.
Vielleicht etwas anspruchsvoll, hier den Begriff der Hermeteutik zu verwenden, der mir mehr aus der Exegese der Literatur- und Musikwissenschaft geläufig ist, und es widerstrebt mir auch etwas, das nun auf Mord und Totschlag anzuwenden, aber in der Sache trifft es das natürlich und du hast einen schwer zu beschreibenden Sachverhalt sensibel formuliert. In der operativen Fallanalyse sind diese Methoden ja auch mittlerweile Teil der modernen Kriminalistik geworden und, klar, irgendwie betreiben wir das hier ebenfalls.
In der polizeilichen Ermittlungsarbeit hat man aber die Möglichkeit, das einzubauen in die banale Hand-, Fuß, Schreib- und Ermittlungsarbeit, und ein Wechselspiel zu spielen, immer wieder zu hinterfragen, mehr Informationen zu sammeln. Korrigieren, Neuansatz. Dieser ganze Part, das Bild aufzubauen, fehlt uns.
Ganz wichtig m.E. ist dabei, eine Fähigkeit zu entwickeln, sich in eine andere Person und Situation hineinzuversetzen und das Ambiente mit ihren Augen, nicht mit den eigenen, zu sehen und zu deuten, Brücken zwischen realen Fakten schlagen zu können.
Über unseren Täter weiß ich gar nichts, den kann ich nur auf Grund meiner Lebenserfahrung so ein wenig auf Trinkstärke herabsetzen und ihn aus der Perspektive beurteilen "Was würdest du in dieser Situation denken und tun“. Aber ich habe bisher noch nie jemanden umgebracht, da komme ich dann nicht weit.
Bei B.A. weiß ich nur so ein paar Bröckchen, die mir Polizei, Medien, Zeugen und Angehörige hingeworfen haben, und bei Zeugen und Angehörigen weiß ich nicht einmal, ob das komplett ist, ob Aussagen der Angehörigen nicht ähnlichen Vollständigkeitswert haben, wie Tischreden bei Geburtstagen oder erlaubte Arbeitnehmerzeugnisse. Um nachempfinden zu können, in welcher Situation sich diese Frau befand, nein: empfand, müsste ich viel mehr wissen. Wie war denn ihr Leben mit 54 Jahren und Kindern aus dem Haus, Mann über die Woche in München tätig, sie im Tower, in dieser Familie – auch hier die Korrektur: in diesen Familien – Mann, Kinder, Eltern, Geschwister, speziell Bruder, wie stand die Familie Balluschek zur Familie Ameis, wie der Bruder zu ihr. Wie stand B.A. zu sich und ihrem Leben, was erwartete sie noch vom Leben, wie lebte sie da im Hunsrück zwischen Tower, 669 und Wald, und dieses „Wie“ meine ich nicht äußerlich, sondern hinsichtlich der psychischen Befindlichkeit und Selbstsicht. Die Antworten habe ich nicht, ich kann da nur ein wenig mutmaßen, ja, und Hermeteutik betreiben. Katholische Familien, im Gemeindeleben verankert und aktiv und – wenn ich die Kinder von B.A. als „Fingerabdruck“ nehme - auch mit der Jugendarbeit mit Jugendgruppe, Gruppenfahrten, Padfindern sozialisiert. Da gewinnt man vielleicht ein kleines Gefühl für die Richtung. Dass sie gerne gewandert ist, macht sie mir sympathisch, da wären wir verwandte Seelen, ich kann sie mir auf dem Ausoniusweg vorstellen, allein (aber eben auch allein) im Hunsrück. Da ist der Wald nicht überfüllt. Sie wandert auch in einer Gruppe, lese ich, aber wer ist sie in dieser Gruppe? Sie hat eine Freundin, aber wie viele Freunde hat sie da im Jahre 2015? Sie scheint mit „digital“, WhatsApp und überhaupt Technik nicht so sehr viel am Hut gehabt zu haben. Eine Plaudertasche war sie wohl eher auch nicht, hat nicht so viel von sich erzählt, auch nicht gut für polizeiliche Ermittler. Denke, sie ist auch so ein wenig eine „Messie“ gewesen, der Ordnung in Koffer und Auto zweitrangig waren und meine überhaupt, wir sollten nicht davon ausgehen, dass sie in allen Situationen so gehandelt hat, wie wir es tun würden. Aber, wie schon angedeutet, ich habe nicht das Gefühl sie zu kennen, kann nicht beurteilen, welche Rolle sie in diesem Fall gespielt hat. Wir sitzen vor einem Puzzle, bei dem wir schon am Anfang sehen, dass mindestens die Hälfte der Teile fehlt und manche einfach nirgendwo hinpassen und ich komme nicht so weit, dass ich wenigstens erraten könnte, was das Bild wohl darstellen könnte.
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Re: MORDFALL BIRGIT AMEIS (54 †), FLUGH. HAHN, APRIL 2015

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SherlockHolmes hat geschrieben: Dienstag, 13. April 2021, 17:49:27 Naja als wichtig betrachte ich den Verlust der Box schon.
Ich nicht. Warum? Weil ein Täter diese längst klein gemacht und entsorgt hätte. Selbst wenn man die Box jetzt irgendwo in Belgien, Kiel oder Polen finden würde -was sagt das schon aus und vor allem welche Erkenntnis würde sie bringen? So eine Box kann von völlig unbescholtene Bürger mitgenommen worden sein -weil sie z.B. als Müll empfunden wurde oder sie sich dabei nichts weiter gedacht haben, wenn sie weiter weg vom Auto war. Die Box ist dann inzwischen durch 100 Hände gegangen oder kaputt oder wie auch immer -als Beweisstück taugt sie jedoch nicht mehr.
AngRa hat geschrieben: Mittwoch, 14. April 2021, 06:59:55 Sie hat meiner Meinung nach in diesen Stunden keine Spaziergänge oder gar Wanderungen unternommen, wo sie auf Fremde treffen konnte. Sie hatte als gewöhnlichen Ablauf das Ausruhen und dann den Antritt der Heimfahrt und sie war auch wohl so etwas wie ein "Gewohnheitstier".
Sehe ich nicht so. Ein solcher Eindruck entsteht meist durch Angehörige, die ihren Verwandten so wahr nehmen wollen. Aber oft haben die besagten Verwandten kleine Geheimnisse, die sie zwar nicht für problematisch erachten aber anderseits auch denken: Das geht jetzt keinem was an.

Man könnte hier unzählige Beispiele erbringen wie oft Verwandte dieses oder jenes dem Verwandten nicht zugetraut hatten -und dann sind sie völlig perflex wenn genau das Gegenteil ans Licht kommt. Was ich damit sagen will ist, dass BA durchaus eine heimliche Bekanntschaft gehabt haben könnte und das sie durchaus auch mal kleine Spaziergänge vor der Abfahrt unternommen haben könnte. Es ist kein Naturgesetz, dass man 10-15 Jahre jeden Tag das selbe tut -irgendwann braucht man Abwechslung oder halt frische Luft.

Sie in ein langweiliges Muster zu zwingen sehe ich problematisch. Nicht umsonst hat die Polizei gesagt, dass es keine Kampfspuren gibt -was für mich automatsich dieses langweilige Bild von BA in Luft auflöst. Man geht also bei der Polizei davon aus, dass BA viele für uns unerklärliche Dinge selbstbestimt gemacht hat -man aber das Warum nicht findet, weil man halt nur diese eine BA kennt.
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Re: MORDFALL BIRGIT AMEIS (54 †), FLUGH. HAHN, APRIL 2015

Ungelesener Beitrag von Widasedumi »

Rebus
Der Begriff der Hermeneutik ist für die Aufklärung eines rätselhaften Falles vielleicht nicht die sichere Methode zur Lösung, aber es geht um die Kunst der Deutung und der Bedeutung des einzelnen Phänomens im ganzen Sinnzusammenhang. Beim Kriminalfall ist mindestens genauso wichtig die Psychologie, was du ja auch betonst mit dem Hineinversetzen in Täter und Opfer.

Wir haben zwei Lager, also zwei Sinnzusammenhänge
- ein geheimer Wanderspezi
- eine nicht geheime Person

Wir müssen nun schauen, wo sich die Gesamtheit der Fakten sinnvoll einfügen lässt. Die Fakten müssen miteinander kompatibel sein und zusammen ein Sinnganzes ergeben.
Das Auto auf dem Parkplatz
Das Wetter
Die Handyauswertung
Der Lebensstil
Die Gewohnheiten
usw.

Du hast recht, dass die Polizei klar im Vorteil ist und die operative Fallanalyse durch den Zugang zum Ermittlungsfundus optimale Erkenntnischancen hat. Dagegen sind wir nur im Schmalspurmodus und du stellst zurecht fest:
In der polizeilichen Ermittlungsarbeit hat man aber die Möglichkeit, das einzubauen in die banale Hand-, Fuß, Schreib- und Ermittlungsarbeit, und ein Wechselspiel zu spielen, immer wieder zu hinterfragen, mehr Informationen zu sammeln. Korrigieren, Neuansatz. Dieser ganze Part, das Bild aufzubauen, fehlt uns.
Ja, ich würde gerne mehr Familiendetails kennen, z.B. wie die Vermögenslage war, gab es Gütergemeinschaft, wie das eheliche gemeinsame Zusammenleben war, das Verhältnis der Kinder zu den Eltern und umgekehrt, auch zur Verwandtschaft usw. Wenn du meinst:
Ganz wichtig m.E. ist dabei, eine Fähigkeit zu entwickeln, sich in eine andere Person und Situation hineinzuversetzen und das Ambiente mit ihren Augen, nicht mit den eigenen, zu sehen und zu deuten, Brücken zwischen realen Fakten schlagen zu können.
dann würden die Kenntnisse des Zusammenlebens ein Hineinversetzen und mit den Augen des anderen schauen erleichtern.

Dass das fehlt, das ist ein besonderer Fakt.

Wir haben einen anderen Fall im HET, wo es auch um eine Birgit geht, die jedoch nach Ansicht der Polizei auch nicht mehr lebt, da konnten wir sehen, dass das Paar in Scheidung lebte, dass es getrennte Konten gab, und dass es deshalb Unstimmigkeiten gab.

Wir haben im STERNBERICHT sehr viele Fakten, zum Beispiel, dass der Bruder überprüft wurde und eindeutig nicht in Verdacht steht. Und wir haben den Fakt, dass eine Hunsrückbekanntschaft ausgeschlossen wird.

Über Alibis anderer Verwandten schweigt sich der STERNbericht aus. Das ist ebenfalls ein auffälliger Fakt.
Ich respektiere die Unschuldsvermutung und werde es dabei bewenden lassen.

Nun möchte ich noch einen logischen Punkt anführen.

Das Hineinversetzen in die Personen geht nicht gut, weil uns die Personen kaum bekannt sind. Das ist abgehakt. Aber nur das Nichthineinversetzenkönnen ist abgehakt. Nicht aber das inhärente Potential der Möglichkeiten dieser nicht näher bekannten Personen.

Hier liegt m.E. eine Denkfalle für Hobbyisten. Sie sehen hier kein Weiterkommen und so wird halt ein Wanderknilch konstruiert auf der Suche nach einem Singleweibchen. Das passt nicht zur Ermittlungslage, es passt nicht zu diesem Opfer, es kann kein plausibles Motiv entworfen werden, aber "macht nix, die Frau war halt ein tiefes Wasser".

Es gibt um die fünf Foristen, die das ernsthaft für möglich halten. Aber ich kann da nicht mitgehen. Es scheint mir sogar zuweilen so zu sein wie im Psychologischen Experiment von Solomon Asch, dass man aus sozialem Aspekt heraus das Lager wählt.
Wir sitzen vor einem Puzzle, bei dem wir schon am Anfang sehen, dass mindestens die Hälfte der Teile fehlt und manche einfach nirgendwo hinpassen und ich komme nicht so weit, dass ich wenigstens erraten könnte, was das Bild wohl darstellen könnte.
Ich sehe im Sternbericht ein deutliches Bild. Ich anerkenne die Ermittlungskompetenz der Polizei. Ich kann den veröffentlichten Ermittlungsstand deuten.
SherlockHolmes
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Re: MORDFALL BIRGIT AMEIS (54 †), FLUGH. HAHN, APRIL 2015

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Undercover hat geschrieben: Mittwoch, 14. April 2021, 15:30:34 Ich nicht. Warum? Weil ein Täter diese längst klein gemacht und entsorgt hätte. Selbst wenn man die Box jetzt irgendwo in Belgien, Kiel oder Polen finden würde -was sagt das schon aus und vor allem welche Erkenntnis würde sie bringen? So eine Box kann von völlig unbescholtene Bürger mitgenommen worden sein -weil sie z.B. als Müll empfunden wurde oder sie sich dabei nichts weiter gedacht haben, wenn sie weiter weg vom Auto war. Die Box ist dann inzwischen durch 100 Hände gegangen oder kaputt oder wie auch immer -als Beweisstück taugt sie jedoch nicht mehr.



Sehe ich nicht so. Ein solcher Eindruck entsteht meist durch Angehörige, die ihren Verwandten so wahr nehmen wollen. Aber oft haben die besagten Verwandten kleine Geheimnisse, die sie zwar nicht für problematisch erachten aber anderseits auch denken: Das geht jetzt keinem was an.

Man könnte hier unzählige Beispiele erbringen wie oft Verwandte dieses oder jenes dem Verwandten nicht zugetraut hatten -und dann sind sie völlig perflex wenn genau das Gegenteil ans Licht kommt. Was ich damit sagen will ist, dass BA durchaus eine heimliche Bekanntschaft gehabt haben könnte und das sie durchaus auch mal kleine Spaziergänge vor der Abfahrt unternommen haben könnte. Es ist kein Naturgesetz, dass man 10-15 Jahre jeden Tag das selbe tut -irgendwann braucht man Abwechslung oder halt frische Luft.

Sie in ein langweiliges Muster zu zwingen sehe ich problematisch. Nicht umsonst hat die Polizei gesagt, dass es keine Kampfspuren gibt -was für mich automatsich dieses langweilige Bild von BA in Luft auflöst. Man geht also bei der Polizei davon aus, dass BA viele für uns unerklärliche Dinge selbstbestimt gemacht hat -man aber das Warum nicht findet, weil man halt nur diese eine BA kennt.
Wir reden einander vorbei denke ich. Für die Ermittler wird der Grund wichtig sein warum diese banale Box fehlt. Alle Taschen etc waren vorhanden. Warum fehlt also die Box im Auto ?
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Re: MORDFALL BIRGIT AMEIS (54 †), FLUGH. HAHN, APRIL 2015

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Der Autoschlüssel wird auch noch vermisst, oder?
lindenstein
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Re: MORDFALL BIRGIT AMEIS (54 †), FLUGH. HAHN, APRIL 2015

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Widasedumi hat geschrieben: Mittwoch, 14. April 2021, 17:40:01 Hier liegt m.E. eine Denkfalle für Hobbyisten. Sie sehen hier kein Weiterkommen und so wird halt ein Wanderknilch konstruiert auf der Suche nach einem Singleweibchen. Das passt nicht zur Ermittlungslage, es passt nicht zu diesem Opfer, es kann kein plausibles Motiv entworfen werden, aber "macht nix, die Frau war halt ein tiefes Wasser".

Es gibt um die fünf Foristen, die das ernsthaft für möglich halten. Aber ich kann da nicht mitgehen. Es scheint mir sogar zuweilen so zu sein wie im Psychologischen Experiment von Solomon Asch, dass man aus sozialem Aspekt heraus das Lager wählt.
Hallo wida,

ich akzeptiere und respektiere grundsätzlich eine kontroverse Diskussion, wo man sich einfach auf einer guten Linie austauscht.

Man muss aufpassen, Dinge die für "normaldenkende" Menschen nicht vorstellbar sind, können leider doch geschehen.

Ich möchte dem Opfer hier sicher nichts andichten, man macht sich wie du schön formulierst als Hobbyist Gedanken.

Wenn ich geschrieben habe, dass ich mir auch ein innerfamiliäres Techtelmechtel vorstellen kann, welches durch Eifersucht, Androhung oder was auch immer aus dem Ruder gelaufen sein könnte, ist das ein Gedankengang den ich in den Raum geworfen habe.
Ob da fallspezifisch irgendetwas in der Tat zu dem Ableben geführt hat, steht auf einem anderen Blatt.

Es ist jedoch so, dass es familiäre Strukturen bzw. Konstellationen geben kann, bei denen es auch sexuelle Handlungen gibt.

Z.B, Schwiegersohn, Tante, etc.
Das kommt öfters vor als man denkt und wird dann unter dem Motto: Das nehmen wir beide mit ins Grab, verbucht.

Ich kann verstehen, dass Du dir das hier nicht vorstellen kannst, jedoch ist das halt wie im Puzzle, solange man kein Bild hat und nur verworrene Teile, sollte man sich auch nicht festlegen.

Ich beharre nicht und möchte da jetzt auch keine never ending Sache daraus machen.
Alle meine Beiträge spiegeln meine Meinung und ich kann auch völlig daneben liegen.
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Re: MORDFALL BIRGIT AMEIS (54 †), FLUGH. HAHN, APRIL 2015

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Hallo Lindenstein,

ich schätze sehr, zu den Erkenntnisgrundlagen zu kommen, und glaube mir, dass ich überhaupt nichts gegen die Konstruktion eines Jekyll/Hyde- oder eines gekränkten Ausraster- oder eines Sexsüchtigen Charakters habe. Deshalb habe ich auf deinen Post auch nicht reagiert, weil du damit keine Zweifel hast. Aber den Foristen @Rebus beschäftigen Fakten, die nicht richtig passen wollen. Er hat diverse Stolpersteine aufgeführt, z.B. die "Unlogik" von gleichzeitiger Superplanung und dennoch unterlaufenen Fehlern. Oder die Fragilität der Hypothesenbildung bei fehlenden psychologischen Einblicken, oder auch die mühsame Zangengeburt eines Verlust-Motivs, welches ich bei größter Phantasie nicht auf diese 54jährige, eher ein wenig verhärmt wirkende, Frau projizieren kann. Deshalb habe ich an diesem Problem angesetzt und eine plausible Begründung gesucht, dass man dann den Ansatz im Grundsätzlichen überdenken sollte, wo sich solche Stolpersteine nicht erheben.

Was es alles gibt, das weißt du, das weiß Meidericher, das weiß Rebus, das weiß ich, das wissen alle. Aber der Punkt ist die Hermeneutik. Wo ich keinen direkten Einblick über Psychologie habe wie in Literatur oder Geschichte, da muss ich hermeneutisch, eben mit Vorwissen, mit ähnlichen Fällen, mit genauer Interpretation der polizeilichen Sprache einschließlich der Lücken, die sie lässt, mit Motivwahrscheinlichkeiten, mit der Alibifrage, mit wissenschaftlichen Erkenntnissen zu Intimiziden und Femiziden usw. herumprobieren, was ich stimmig ins Bild bekomme.
Und in diesem Fall ersetzt mir der STERNreport die Psychologie. Ich will damit sagen: Wenn die Polizei bei ihren Ermittlungen herausgefunden hat, dass da kein Hunsrückfreund war, dann war da keiner. Punkt! Auch wenn sich alle ehelichen Verbindlichkeiten aufgelöst haben und jede Frau zu Seitensprüngen in der Lage ist. Wenn die Polizei dieses in diesem Fall abgeklärt hat, dann hat sie es abgeklärt.

Da kann irgendwo ein Schwiegersohn oder eine Tante Unglaubliches gemacht haben, das ist aber in einem anderen Rahmen geschehen. Das Einzelteil gewinnt in der Hermeneutik einen Sinn dadurch, dass es zu den anderen Teilen passt und dass es in den Rahmen eines Bildes passt. Ich kann aber nicht aus anderen Mordfällen ein Phänomen herausgreifen, das weder zum Ermittlungsstand passt, noch zum Opfer, auch wenn es das in einem anderen Rahmen gegeben haben mag. Ein Intimizid, also eine Eifersuchtstat, würde m.E. auch nicht passen, weil dafür nichts spricht. Bei einem Femizid sieht es schon wieder anders aus (also wenn man sich Vorteile von der Nichtexistenz eines Partners ausrechnet). Daher sagt die Hermeneutik, dass man über ähnliche Fallkonstellationen durchaus den Rahmen des Bildes als Ermittlungshypothese setzen kann, wenn sich alle Einzelteile hineinfügen und einen Sinn darin machen.

Selbstverständlich ist alles hypothetisch. Aber ich meine, dass es für EIN Rahmenbild eine höhere Wahrscheinlichkeit gibt, als für das andere.
Es hängt an der Passung der Einzelteile in den Rahmen. Die Polizei hat noch einen entscheidenden Vorteil. Sie kann im nichtöffentlichen Bereich erörtern. Es hat um die 40 Personen in der SoKo Hahn gegeben. Wir können im HET nicht offen austauschen, was nichtöffentlich möglich wäre.
Aber was 40 Personen in der SoKo über einen langen Zeitraum ermittelt haben, nehme ich als Fakt. Dort haben die Leute auch schon die unmöglichsten Dinge in ihrer Praxis erfahren, und da wird auch manch beharrlicher Typus der "Lindenstein" oder "Meidericher" - Richtung bei gewesen sein. Das kam in den Generalbesprechungen aufs Tapet. Das wurde erörtert. 40 MannundFrau haben auch das im Kopf rumgetragen.
Am Ende sagten sie: Fehlanzeige.
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Re: MORDFALL BIRGIT AMEIS (54 †), FLUGH. HAHN, APRIL 2015

Ungelesener Beitrag von Widasedumi »

Rebus hat geschrieben: Mittwoch, 14. April 2021, 12:27:35 Bei B.A. weiß ich nur so ein paar Bröckchen, die mir Polizei, Medien, Zeugen und Angehörige hingeworfen haben, und bei Zeugen und Angehörigen weiß ich nicht einmal, ob das komplett ist, ob Aussagen der Angehörigen nicht ähnlichen Vollständigkeitswert haben, wie Tischreden bei Geburtstagen oder erlaubte Arbeitnehmerzeugnisse.
Rebus,

dein konkretes Hinterfragen als Kritik an meinem Rahmenbild gefällt mir. Ich möchte gerne noch einmal speziell darauf eingehen.
Zum Punkt "Angehörige" stelle ich fest, dass kein Angehöriger ein "direktes Bröckchen" an uns gegeben hat. Das ist sehr wichtig. Jeder Angehörige ist von der Polizei als Zeuge vernommen worden. Da gibt es kein Schweigerecht, weil man Zeugenpflicht hat. Man darf davon ausgehen, dass die Befragung umfangreich war, weil auch die Polizei die Frau A. kennen lernen wollten UND ob sich die Sichtweise der Angehörigen mit der Sichtweise der Arbeitskollegen nicht widerspricht.

Nach eineinhalb Jahren ermittelnder SoKo 'Hahn', ab April 2015, erschien im Okt. 2016 der STERNbericht: "Wie eine Frau in Deutschland einfach spurlos verschwindet"

Man hatte keine Zeugen, keine Anhaltspunkte zu Konflikten, keine Affären, kein Motiv, keine Spuren, keine Fundgegenstände - man hatte nichts.
Ich denke, dass deshalb der Fall nicht bei Aktenzeichen xy aufgenommen wurde, weil jegliche Ansatzpunkte fehlten. Vielleicht wollte es aber auch die Familie nicht. Ich weiß nicht, ob eine Familie das verhindern könnte? Ich denke, eher nicht.

Aber die SoKo 'Hahn' war am Ende ihrer Möglichkeiten, und der Fall sollte doch einer breiten Öffentlichkeit bekannt werden. So war das über das Magazin STERN möglich geworden. Das Magazin hat sich wahrscheinlich eng an die Polizeiangaben gehalten. Vor der Veröffentlichung nehme ich an, dass es eine Abstimmung mit der Polizei gab. Der Bericht beruft sich von vorne bis hinten auf die polizeilichen Ermittlungsergebnisse.

Was nun die Bröckchen der Angehörigen anbelangt, gibt uns der Bericht zwei Stück davon. Eines von der Tochter und eines vom älteren Sohn. Die Auswahl dieser Bröckchen, noch dazu in Wörtlicher Rede, sprechen eine deutliche Sprache. Es ist die Auswahl, die hermeneutisch ihre Bedeutung am Ganzen erhält. Wir erfahren deutliche Angaben über den Bruder einschl. eines einwandfreien Alibis.

Und genau, weil manche Personen sehr deutlich und klar dargestellt werden, fällt es eben auf, wenn über andere bedeutsame Personen nicht viel steht. Und man kann davon ausgehen, dass diese Formulierungen mit jedem Wort genau abgewogen wurde. Und diese Formulierungen gewinnen hermeneutisch im Gesamtrahmen ihre spezielle Bedeutung. Ich habe mich einmal mit dem Thema Sprache und Wahrheit vertieft beschäftigt, und bin daher auch sensibel für die Wahl der Worte von Ermittlern. Wenn ein Fall sehr rätselhaft ist, gehe ich im xyVideo immer auch auf das Studiogespräch zurück und achte auf die verwendeten Worte. Ich überlege, warum der Ermittler es so und nicht anders gesagt hat, und versuche, hermeneutisch an der Wortwahl zu ergründen, was der Ermittler sagen konnte und was er verschweigen wollte oder musste.

Ich weiß, dass diese Gespräche zwischen Herrn Cerne und den Ermittlern genauestens vorbereitet sind. Da werden die Fragen festgelegt und die Antworten werden genauestens ausgefeilt. Man muss ja auch Persönlichkeitsrechte und Gesetze in diesen öffentlichen Gesprächen beachten.

Kurz und gut, Rebus: Die Bröckchen der Angehörigen haben es in ihrer Bedeutung in sich. Das ist mehr, als ein Geburtstagsspruch. Übrigens ist deine Erwähnung des Arbeitszeugnisses nicht schlecht, weil hier bereits eine breite Sprachsensibilität Platz gegriffen hat.
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Re: MORDFALL BIRGIT AMEIS (54 †), FLUGH. HAHN, APRIL 2015

Ungelesener Beitrag von Widasedumi »

Rebus hat geschrieben: Mittwoch, 14. April 2021, 12:27:35 Um nachempfinden zu können, in welcher Situation sich diese Frau befand, nein: empfand, müsste ich viel mehr wissen. ...
Wie stand B.A. zu sich und ihrem Leben, was erwartete sie noch vom Leben, wie lebte sie da im Hunsrück zwischen Tower, 669 und Wald, und dieses „Wie“ meine ich nicht äußerlich, sondern hinsichtlich der psychischen Befindlichkeit und Selbstsicht. Die Antworten habe ich nicht, ich kann da nur ein wenig mutmaßen, ja, und Hermeteutik betreiben.
Rebus,

genauso mache ich es auch. Ich empfinde von meiner Perspektive aus gesehen, dass B.A. diesen Arbeitsplatz, die Unterkunft und die Umgebung gerne gemocht hat. Der Arbeitsplatz und ihre Hobbys waren kongruent. Sollte es häusliche Sorgen gegeben haben, war sie diesen mal für ein paar Tage entschwunden. Das Handy zeigt keinen lebhaften Gesprächsverkehr auf, also Ruhe und Frieden auf dem Hahn. Dass sie aber nicht sorgenfrei war, scheint mir ihr Gesicht zu verraten. Doch die Erwartung der Zwillinge war sicher wieder ein aufmunterndes Highlight.

In deinem folgenden Teil kann ich allem zustimmen bis auf "Messie". Sie ist der Typ des Korrekten gewesen, ob Parkplatz, Autopflege, Fahrtempo, Ruhephasen oder Kofferpacken.
Rebus hat geschrieben: Mittwoch, 14. April 2021, 12:27:35 Katholische Familien, im Gemeindeleben verankert und aktiv und – wenn ich die Kinder von B.A. als „Fingerabdruck“ nehme - auch mit der Jugendarbeit mit Jugendgruppe, Gruppenfahrten, Padfindern sozialisiert. Da gewinnt man vielleicht ein kleines Gefühl für die Richtung. Dass sie gerne gewandert ist, macht sie mir sympathisch, da wären wir verwandte Seelen, ich kann sie mir auf dem Ausoniusweg vorstellen, allein (aber eben auch allein) im Hunsrück. Da ist der Wald nicht überfüllt. Sie wandert auch in einer Gruppe, lese ich, aber wer ist sie in dieser Gruppe? Sie hat eine Freundin, aber wie viele Freunde hat sie da im Jahre 2015? Sie scheint mit „digital“, WhatsApp und überhaupt Technik nicht so sehr viel am Hut gehabt zu haben. Eine Plaudertasche war sie wohl eher auch nicht, hat nicht so viel von sich erzählt, auch nicht gut für polizeiliche Ermittler. Denke, sie ist auch so ein wenig eine „Messie“ gewesen, der Ordnung in Koffer und Auto zweitrangig waren und meine überhaupt, wir sollten nicht davon ausgehen, dass sie in allen Situationen so gehandelt hat, wie wir es tun würden.
Mit "Messie" bist du dem m.E. falschen Ansatz aufgesessen. Ich schau mal, ob ich den tollen Beitrag von AngRa zu diesem Punkt noch finde, der besagt, dass eben der Täter in ihrem Appartement die Schmutzkleider zu den sauberen geworfen hat, weil es schnell gehen musste.
Rebus hat geschrieben: Mittwoch, 14. April 2021, 12:27:35 Wir sitzen vor einem Puzzle, bei dem wir schon am Anfang sehen, dass mindestens die Hälfte der Teile fehlt und manche einfach nirgendwo hinpassen und ich komme nicht so weit, dass ich wenigstens erraten könnte, was das Bild wohl darstellen könnte.
Rebus,

es fehlt keine Hälfte zu B.A., wenn wir den STERBbericht ernst nehmen. Er charakterisiert B.A. ausreichend gut. Und die Teile, die du nicht unterkriegst, liegen vermutlich an deinem ausgewählten Bilderrahmen.
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