Statistiker hat geschrieben: ↑Dienstag, 13. Januar 2026, 03:08:41
Update zur Stochastik
Warum die Wahrscheinlichkeit noch viel geringer ist (und ein Logik-Check)
Bezugnehmend auf die vorangegangene Berechnung der Wahrscheinlichkeiten (die bereits eine Quote von 1 zu mehreren Millionen ergab):
Diese Rechnung basierte auf nur 6 Basis-Variablen. Bei genauerer Betrachtung der Datenlage und der Zeitabläufe existieren jedoch mindestens 5 weitere statistische Variablen, die in die Gleichung einfließen müssten.
Dazu gehören unter anderem, aber nicht erschöpfend:
* Standort-Routinen: Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Ablageort gewählt wird, der exakt mit den Bewegungsmustern unbeteiligter Dritter (Freundinnen) übereinstimmt.
* Narrative Anomalien: Das Auftauchen ungewöhnlicher Erklärungen vor Ort ("Verwechslung mit Gegenständen", vgl. XXX-Puppe Rostock), die das Verhalten Dritter steuern.
* Aussage-Dynamiken: Die statistische Auffälligkeit, wenn Zeugenaussagen nach externen Kontakten signifikant geändert werden.
* Verhaltens-Paradoxe: (Siehe unten).
Würde man diese Faktoren hinzurechnen, bewegt sich die Wahrscheinlichkeit für einen "Zufall" endgültig im theoretischen Nullbereich.
Besonders Punkt 4 (Verhaltens-Paradoxe) wird in Diskussionen oft falsch interpretiert. Daher hier ein Logik-Check zu der These, eine Finderin habe weitere Personen nur deshalb zum Fundort geführt, um "Spuren zu verwischen".
Analyse: Warum die "Spuren-Verwirrungs-Theorie" kriminalistischer Unsinn ist
Das Argument lautet oft: Person A hat Personen B und C zum Fundort gebracht, um deren DNA/Abdrücke dort zu verteilen und die Ermittler zu täuschen.
Betrachtet man dieses Szenario rein spieltheoretisch, bricht es aus drei logischen Gründen zusammen:
1. Das Risiko-Paradoxon ("Suicide Mission")
Ein Täter hat ein oberstes Ziel: Das Versteck geheim zu halten.
Wenn ein Täter freiwillig zwei unabhängige Zeugen zur Leiche führt, geht er ein unkalkulierbares Risiko ein.
* Was, wenn einer der Zeugen sofort die Polizei ruft?
* Was, wenn einer der Zeugen die Person festhält?
* Was, wenn die Frage aufkommt: "Woher wusstest du so schnell, dass es hier liegt?"
Kein rationaler Akteur liefert sich selbst ans Messer, nur um ein paar fremde Fußabdrücke zu produzieren. Das Risiko der sofortigen Entdeckung ist um ein Vielfaches höher als der Nutzen von "Spurenverwirrung".
,, Aber sie ist ja nicht rational! " - - >,, Das Pferd wurde auch verbrannt!"
2. Der Profil-Widerspruch ("Mastermind vs. Verwirrt")
Die Argumentation ist in sich widersprüchlich:
* Auf der einen Seite wird die Person oft als psychisch labil oder realitätsfern dargestellt (glaubt an Verwechslungen, erzählt Wirres).
* Auf der anderen Seite traut man ihr eine forensisch hochkomplexe Strategie zu ("Counter-Forensics": Gezieltes Legen von Trugspuren durch Dritte).
Man kann nicht beides sein. Entweder ist man verwirrt – dann plant man keine strategische DNA-Manipulation. Oder man ist ein eiskaltes Genie – dann rennt man aber nicht mit Zeugen in den Wald, sondern bleibt unauffällig.
3. Ockhams Rasiermesser (Die einfachste Lösung)
In der Kriminologie gilt: Wer versteckt, will schweigen. Wer zeigt ("Guckt mal da"), weiß in der Regel nicht, was es wirklich ist (oder wurde getäuscht).
Dass jemand Dritte zum Fundort bringt, ist statistisch gesehen das stärkste Indiz für Unwissenheit oder Neugier, nicht für Täterschaft.
Fazit der Datenanalyse:
Die Behauptung, das Hinführen der Zeugen sei ein genialer Schachzug zur Spurenverwischung gewesen, hält einer logischen Prüfung nicht stand. Es wirkt eher wie der Versuch, ein harmloses und entlastendes, wenn auch natives Verhalten (Offenheit/Zeigen) nachträglich in etwas Belastendes umzudeuten.